Sigrid Bolduan wurde 1933 in Beveringen in der Ostprignitz geboren. Sie war zeitlebens durch die Landschaft ihrer Geburt geprägt und verbunden mit dem naturverbundenen bäuerlichen Leben auf dem Hof. Die Prignitz verließ sie nur ungern, da sie sich auf dem weiten, flachen Land sehr wohl fühlte. Doch dann lernte sie einen Lausitzer kennen, mit dem sie ihr Glück fand. Sie zog vom elterlichen Hof weg und machte ihren Fachschulabschluss als Krankenschwester in Eberswalde.

Die Liebe zur Malerei führte dazu, dass Sigrid ein Abendstudium (1970-1973) in Malerei und Grafik an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden absolvierte. Allerdings meinte sie dazu rückblickend: „Man wird unfrei nach dem Studium. Danach musste ich wieder zu mir finden und meine eigene Handschrift neu entdecken“.

Nach unzähligen Umzügen fanden sie, ihr Mann und die vier Kinder ein idyllisches Anwesen mit Bauernhaus in Klein-Loitz unweit von Spremberg. Ab dieser Zeit lebte die ehemalige Jägerin mit ihrem Mann, Ponys, Pfauen, Katzen, Gänsen und Schafen ganz beschaulich auf dem Hof und genoss die Nähe des Waldes.

„Ich bin viel in der Natur und wenn es das Wetter zulässt, male ich auch gern draußen“, erklärte die freischaffende Volkskünstlerin. Oft haben ihre Kinder Porträt gesessen oder sie hat bei ausgedehnten Wanderungen im Riesengebirge Farbe und Papier aus dem Rucksack gezogen und ihre Eindrücke zu Papier gebracht.

Im Laufe der Jahreszeiten wurde die Kreativität auch für andere künstlerische Dinge genutzt, wie sorbische Ostereier im Frühjahr, Zwiebelzöpfe im Herbst und zur Winterzeit Engel. Da waren der Fantasie keine Grenzen gesetzt.

Ein anderer Themenkomplex, der in ihren Arbeiten Ausdruck findet, ist das Sorbische. Sigrid Bolduan selbst bezeichnete sich als „Freundin der Sorben“. Sie war Mitglied im Sorbischen Förderverein e.V. Ungefähr fünfzig Jahre lang beschäftige sich Sigrid mit den sorbischen Bräuchen und der ihnen innewohnenden Kultur. Zeugnis von diesem Interesse legte auch die außerordentlich umfängliche Sammlung sorbischer Trachten ab. Lange Jahre war Sie auch Leiterin der Spinnstube Spremberg/Klein-Loitz, die 2012 ihr 20-jähriges Jubiläum feierte. Auf diesem Weg hielt sie eine Tradition lebendig. Die traditionelle Ostereiermalerei mit Wachs und Feder, die eigentlich Ihr in der Lausitz geborener Mann mitbrachte, führte Sie zu einer wahren Vollendung. Auch alle Kinder saßen vor Ostern bei Mutter und versuchten sich selbst in dieser Kunst.

Wichtig war ihr auch immer der Kreis alter Volkskünstler. In diesem Rahmen druckte sie jährlich Neujahrskarten mit wechselndem Motiv, die dann an Mitglieder der Gruppe verschickt wurden. Auf diesem Weg blieb sie mit den Künstlern in Kontakt. Auch nahm Sie an vielen Pleinairs teil.

Traditionelles Handwerk

Sigrid Bolduan ist durch ihre Kunst und natürlich auch für ihr Engagement bei der Pflege sorbischer Traditionen überregional bekannt. Sie malte mit Öl-, Aquarell- und Temperafarben, doch benutzte sie auch Ungewöhnliches wie Asche und Ruß. Zum Färben selbst gesponnener Wolle ihre Schafe nutzte sie ebenfalls alles, was die Natur bereitstellte wie z. B. Zwiebel- oder Wallnussschalen. Sie fertigte aber auch Schnitte (Holz- und Linolschnitte) ebenso wie Radierungen und Monotypien an. Auch Seidenmalerei, Stoffcollagen, verschiedene Drucktechniken und das Arbeiten mit Keramik waren ihr nicht fremd und dienten als Ausdruck ihrer Kreativität. Auch ein „Fotokasten“ war immer griffbereit, um  viele schöne Dinge für immer festzuhalten.

Kurzum, Sigrid hatte einen unerschöpflichen Vorrat an Ideen, Interessen und Arbeiten. Sigrid Bolduan war immer mit ganzem Herzen dabei.